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Selbstunterstützung für Psychotherapeuten
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Selbstunterstützung für Psychotherapeuten
von: Bettina Lohmann
Hogrefe Verlag Göttingen, 2017
ISBN: 9783840925658
119 Seiten, Download: 1562 KB
 
Format: PDF
geeignet für: PC, MAC, Laptop Online-Lesen Apple iPad, Android Tablet PC's

Typ: A (einfacher Zugriff)

 

 
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Leseprobe

1 Spezifische Anforderungen an den Beruf des Psychotherapeuten (S. 9-10)

Jede berufliche Tätigkeit zeichnet sich durch unterschiedliche Herausforderungen, Reize, Chancen und Risiken aus. So ist es für einen Architekten eine Herausforderung, die individuellen Wünsche seiner Kunden mit den Bauvorschriften in Einklang zu bringen, für einen Musiklehrer, wenig motivierten Kindern das Trompetespielen beizubringen, und für einen Bäcker das frühe Aufstehen. Manche empfinden diese Herausforderungen als besonderen Reiz ihrer Tätigkeit, andere fühlen sich genau dadurch stark belastet. Mitunter ändert sich im Laufe des Berufslebens auch die Bewertung der Herausforderungen und Chancen. So kann es anfangs noch Spaß machen, sich immer neue Übungen auszudenken, um die Musikschüler zu motivieren, nach ein paar Jahren überwiegt aber möglicherweise die Frustration, dass viele Kinder ein Instrument zu spielen beginnen, aber nach kurzer Zeit keine Lust mehr zum Üben haben. Andererseits mag es Architekten geben, die sich durch die vermeintliche Unvereinbarkeit von Kundenwünschen und Bauvorschriften zu Beginn ihrer beruflichen Tätigkeit sehr gestresst fühlen, nach zehn Jahren Berufstätigkeit aber stolz sind, die Lücken in den Vorschriften zu kennen. Auch die psychotherapeutische Tätigkeit bietet einerseits erfreuliche und interessante Seiten, kann andererseits aber auch belastend und sehr anstrengend sein. 70 bis 80 % der tätigen Psychotherapeuten würden ihren Beruf wieder wählen ( Reimer, Jurkat, Vetter & Raskin, 2005; Vangermain & Brauchle, 2013), was dafür spricht, dass die positiven Seiten die belastenden überwiegen. In einer Studie zu Burnout bei Psychotherapeutinnen (Willutzki, Ambühl, Cierpka, Meyerberg & Orlinsky, 1997) beschrieben sich von 760 Befragten 73,1 % als zufrieden mit ihrer therapeutischen Arbeit. Auch wenn die Zufriedenheit mit dem Beruf relativ hoch ist, gibt es sehr spezifische Anforderungen in der psychotherapeutischen Tätigkeit, für die jeder Therapeut einen guten Umgang finden muss, wenn er dauerhaft zufrieden sein möchte. Diese spezifischen Anforderungen werden im Folgenden aufgeführt.

Psychotherapeuten haben intensiven Kontakt zu ihren Patienten Es gibt kaum einen Beruf, in dem der Kontakt zum Gegenüber so intensiv ist wie bei Psychotherapeuten. Allein die Tatsache, dass die Therapiestunden in der Regel fünfzig Minuten dauern, keine anderen Personen anwesend sind und technische Mittel keine Rolle spielen, ist eine besondere Situation. Lehrer kommunizieren mit einer ganzen Klasse, Ärzte haben in der Regel einen kürzeren Kontakt, der teilweise durch medizinische Geräte bestimmt wird, Verkaufsgespräche finden selten in einem geschützten Rahmen statt. In vielen Berufen beschränkt sich die Begegnung auf einmalige oder wenige Treffen. Die begrenzte Anzahl der Patienten, die ein Psychotherapeut behandelt, und die Regelmäßigkeit des therapeutischen Kontaktes stellen Rahmenbedingungen dar, die zur Intensität beitragen können. Vermutlich werden die meisten Psychotherapeuten mit Ausnahme ihrer Familienmitglieder kaum andere Menschen so oft, regelmäßig und konzentriert im Privatleben sehen, wie sie im Beruf ihre Patienten erleben. Diese Intensität ist für viele Psychotherapeuten ein Motiv bei der Berufswahl, sie haben ein Interesse an Menschen und deren Leben. Es kann befriedigend sein, so viel mehr von andern Menschen zu erfahren, als es in anderen Berufen möglich ist. Diese Intensität bedeutet aber auch, dass Therapeuten stärker involviert sind von den Kontakten als Steuerberater oder Bademeister. Psychotherapeuten haben Anteil an sehr belastenden Situationen, am Schicksal ihrer Patienten. Die Intensität kann es aber auch erschweren, eigene Probleme aus dem Kontakt zu halten. Befindet sich die eigene Familie gerade in Schieflage, wünscht man sich vielleicht lieber einen Arbeitsplatz, bei dem man sich hinter einem Bildschirm verstecken kann und nicht den Blicken und möglichen Fragen von Patienten ausgesetzt ist. Der intensive Kontakt zum Patienten ist gerade für viele Berufsanfänger eine Herausforderung. Wie bei jedem Berufseinstieg ist die Unsicherheit zu Beginn der Tätigkeiten hoch. Mit dieser Unsicherheit bis zu 50 Minuten ohne Rückzugsmöglichkeit vor einem Patienten zu sitzen, erleben junge Psychotherapeuten zuweilen als Expositionsübung. Die Intensität des Kontaktes führt manchmal dazu, dass Patienten sich auch außerhalb der Therapie eine Fortsetzung dieses Kontaktes wünschen. Das kann das Bedürfnis nach Freundschaft sein, möglicherweise verliebt sich aber auch ein Patient in seine Therapeutin. Für den therapeutischen Kontakt ist das eine schwierige Situation, denn die Therapeuten müssen eine klare, abstinente Position gegenüber den Patienten vertreten, ohne die therapeutische Beziehung zu gefährden. Es stellt eine hohe Anforderung an Therapeuten dar, sich in so einer Situation ihrer eigenen Empfindungen bewusst zu sein, eine klare Botschaft zu übermitteln, empathisch zu sein, schnell die richtigen Worte zu formulieren und mit den Reaktionen des Gegenübers auf die Abgrenzung umzugehen.



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