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Identifikation und Commitment fördern
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Identifikation und Commitment fördern
von: Rolf van Dick
Hogrefe Verlag Göttingen, 2016
ISBN: 9783840928062
144 Seiten, Download: 6493 KB
 
Format: PDF
geeignet für: PC, MAC, Laptop Online-Lesen Apple iPad, Android Tablet PC's

Typ: A (einfacher Zugriff)

 

 
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Leseprobe

2 Theorien und Modelle (S. 18-19)

Leitfragen
–– Welche Facetten von Identifikation und Commitment lassen sich unterscheiden?
–– Welche Rolle spielt Identifikation im Kontext von Unternehmensfusionen?
–– Was hat die Forschung in Feld und Labor ergeben?
–– Gibt es auch negative Auswirkungen von (zu) hoher Identifikation?

2.1 Ein sozialpsychologischer Ansatz: Der Social Identity Approach

Identifikation bezeichnet zunächst allgemein die Zuordnung eines Objektes zu einer Klasse von Objekten (ein blaues Quadrat gehört zu einer Gruppe von geometrischen Formen oder zu einer Gruppe blauer Gegenstände, ein Brillenträger gehört zu der Gruppe der Brillenträger oder der Männer etc.). Im Falle menschlicher Identifikation kann die Zuordnung sowohl von außen vorgenommen werden (Herr X wird von seinen Kollegen als Angehöriger der Gruppe der Raucher bezeichnet) als auch durch die Person selbst (Herr X bezeichnet sich selbst als Raucher). Die bloße Zuschreibung kann mit „Identifikation als Mitglied einer Gruppe“ benannt werden: Herr X weiß, dass er ein Raucher ist, es spielt aber für ihn keine Rolle, es ist nicht wichtig für sein Selbstbild (für das andere Aspekte zählen wie Geschlecht, Beruf, Aussehen, Erfolg und Misserfolg etc.) – in diesem Fall identifiziert sich Herr X als Raucher, diese Identifikation hat aber keine weiteren Konsequenzen für sein Denken, Fühlen und Handeln. Erst die „Identifikation mit der Gruppe“ der Raucher (der die Identifikation als Raucher notwendigerweise vorausgehen muss) wirkt sich auf das menschliche Erleben und Verhalten aus.

Diese Identifikation mit der Gruppe besteht wiederum aus drei Dimensionen: (1) Herr X ist gerne Raucher (affektive Identifikation), (2) er fühlt sich vielleicht von anderen wegen seines Raucher-Seins negativ beurteilt (evaluative Komponente der Identifikation) und (3) er versucht, dagegen anzugehen, indem er z. B. Kontakt zu anderen Rauchern sucht oder zu Nichtrauchern meidet (konative Komponente). Ob tatsächlich immer alle drei Komponenten (affektiv, evaluativ, konativ) zusammenkommen müssen, ist bislang ungeklärt, allerdings bildet das Zusammenwirken der drei Dimensionen den Kern der Identifikation seit den frühesten Veröffentlichungen von Henri Tajfel zur Theorie der Sozialen Identität.

Tajfel (1978) trennt zunächst zwischen personaler und sozialer Identität und definiert die soziale Identität als „den Teil des Selbstkonzeptes einer Person, der dem Wissen um die Mitgliedschaft in einer sozialen Gruppe entstammt, zusammen mit dem Wert und der emotionalen Bedeutung, die mit dieser Mitgliedschaft verbunden sind“ (S. 63, Übersetzung des Verfassers). Ellemers, Kortekaas und Ouwerkerk (1999, S. 372) definieren die drei Komponenten auf Basis der Definition von Tajfel folgendermaßen:
–– Die kognitive Komponente meint das Bewusstsein über die Mitgliedschaft in einer sozialen Gruppe,
–– die evaluative Komponente beschreibt die positive oder negative Bewertung, die mit der Mitgliedschaft assoziiert wird, d. h. konkret die Wahrnehmung der Attribute, die der Gruppe von außen zugeschrieben werden,
–– die emotionale Komponente im Sinne von affektiver Identifikation mit der Gruppe.

Nach Ouwerkerk et al. (1999) ist die emotionale Komponente, d. h. die affektive Identifikation, gleichzusetzen mit affektivem Commitment. Diese Komponente ist sowohl in Feldstudien als auch in Laborexperimenten jeweils ein besserer Prädiktor für Verhalten als die kognitive oder bewertende Komponente (S. 188 – 189). Nach Ashforth und Mael (1989) besteht Identifikation zunächst nur aus der kognitiven Komponente – das ist die Selbstkategorisierung – die anderen Komponenten werden als mögliche Ursachen und Folgen dieser kognitiven Identifikation verstanden.

Um an dieser Stelle die Begriffe klar zu definieren, soll die oben getroffene Unterscheidung zwischen Identifikation als Gruppenmitglied bzw. Identifikation mit der Gruppe noch einmal aufgegriffen und näher spezifiziert werden (vgl. Wagner, 1994; Phinney, 1990): Danach lässt sich die rein kognitive Komponente der Identifikation als Mitglied einer Gruppe auch als Selbstkategorisierung bezeichnen oder, mit den Termini der englischsprachigen Fachliteratur, mit den Worten „self-categorization“, „self-labeling“ oder „self-definition“. Diese Dimension der „Identifikation als“ ist die notwendige Voraussetzung für die weiteren Komponenten, die zu einer gefühlsmäßigen Bindung an die Gruppe führen. Das ist die Identifikation mit der Gruppe, die auch mit den Termini „sense of belonging“ oder „attachment“ bezeichnet werden kann. Nach Phinneys (1991) Überlegungen ist diese Identifikation mit der Gruppe die Voraussetzung für die z. B. von der Theorie der Sozialen Identität (SIT, Tajfel & Turner, 1979) oder den gängigen Akkulturationsmodellen (z. B. Berry, 1997) postulierten Prozesse von Ingroup- Bevorzugung, Diskriminierung oder Akkulturationsstress.



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